Von Krähen in Grünwinkel

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Von Krähen in Grünwinkel

Was haben Krähen und Grünwinkel gemein?

Grünwinkel (1) ist zwar seit 1909 ein Stadtteil von Karlsruhe, aber das Dorf Grünwinkel gibt es schon sehr viel länger. Es wurde 1710 von der Markgräfin Sibylla Augusta, Ehefrau des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (besser bekannt unter dem Namen „Türkenlouis“), gegründet. Die Markgräfin Sibylla Augusta, die nach dem Tod ihres Mannes zu Beginn des 18. Jahrhun­derts Regentin der Markgrafschaft Baden-Baden wurde, besaß in Böhmen hochrentable Güter und wollte daher auch badische Lehensgüter nach dem gleichen Muster aufbauen. Sie sorgte damals für die Entstehung einer Landarbeiterkolonie aus achtzehn Familien auf einem Hofgut. Leider ist heute nicht mehr festzustellen, woher die Ansiedler stammten, aber es ist durchaus möglich, dass sie unter dem Einfluss der Markgräfin aus Böhmen kamen. Das Hofgut hieß seinerzeit „Kreen­win­kel“, ist jedoch unter dem Namen „Kregen Winckel“ 1468 erstmals in einem Zinsbuch erwähnt worden. Damit war das Dorf Krähwinkel angelegt.

Warum „Krähwinkel“?

Die Albniederung und das erhöht liegende Ufergelände war reichlich mit Hecken und allerlei Gebüsch bewachsen, aus dem sich hin und wieder ein einzelner Baum, eine Forle oder Eiche hervorhob. Dieses Gehölz war belebt von allerlei Getier, besonders von der Vogelwelt, die mit ihrem Geschrei und Gekrächze die Luft erfüllte. Besonders mögen es Krähen gewesen sein, die sich in großer Menge hier aufhielten, und so kam es, daß man den Winkel, den die Alb hier bildete und heute noch bildet, den „Krähenwinkel“ genannt hat“, erklärt Heimathistoriker Benedikt Schwarz (1862-1926) (Quelle, auch für Foto „Auszug aus Militärkarten“ oben, abgerufen am 28.9.2022)

Bewegte Zeiten

Dem noch jungen Dorf Krähwinkel fehlte Grund und Boden, da es zwischen den Gemarkungen Bulach und Dachslanden, dem späteren Daxlanden, quasi eingeklemmt war. Die Bewohner dieser beiden Gemarkungen waren den Krähwinklern nicht wohlgesonnen und beschwerten sich bereits 1710 beim Amt darüber, dass die Krähwinkler in ihren Wäldern Holz und Waldstreu einholten.

Es kam zu langwierigen und schwierigen Verhandlungen, die 1714 darin mündeten, dass ein Vertrag geschlossen wurde, wonach den achtzehn Siedlerfamilien 80 Morgen Feld überlassen wurden und sie das Recht erhielten, ihr Vieh – es bestand damals aus nachweislich eingetragenen 40 Rindern, 40 Schweinen, 6 Pferden und 9 Gänsen –  „in beschränktem Maße“ in den benachbarten Waldungen Bulach und Dachslanden weiden zu lassen und  Holz „in Maßen“ zu schlagen.

Bulach und Dachslanden waren keineswegs erfreut über diesen Vertrag, den die Obrigkeit beschlossen hatte, und machten den Krähwinklern fortan das Leben schwer. Die Fehde dauerte über das ganze 18. Jahrhundert hindurch, bis 1783 Krähwinkel seine eigene Gemarkung zuteil wurde. Voraussetzung war, dass die damals noch selbstständigen Dörfer Dachslanden im Westen und Bulach im Osten Teile (nämlich je 60 Morgen) ihrer Gemarkungen am 4. April 1783 abtritten. Daraufhin entstand eine regelrechte Grenze – einige der Grenzsteine Nr. 1 bis 56 sind heute noch vorhanden.

Krähenbrunnen Grünwinkel, Foto Jürgen Sommerfeld

Krähen an jeder Ecke des Stadtteils

In der Zeit zwischen 1780 und 1800 vermuten Historiker auch den Übergang vom Namen Krähwinkel zu Grünwinkel. Belegt ist dies jedoch nicht. Der einstige Name Krähwinkel erklärt auch, weshalb Krähen – beispielsweise als Brunnen Ecke Zeppelin-/Durmersheimer Straße – das Grünwinkler Bild prägen und das Wahrzeichen des Stadtteils im Karlsruher Westen sind.

Für den Karlsruher Stadtgeburtstag 2015 wurden von der Firma Werbefiguren Hoffmann riesengroße Krähen im Rahmen eines Projekts des Bürgervereins Grünwinkel aus einem Glasfaserverbundwerkstoff produziert. Grünwinkler Vereine und Institutionen bemalten und gestalteten die 1,40 Meter hohen und 1,90 Meter langen Krähenskulpturen individuell, anschließend wurden sie in ganz Grünwinkel im öffentlichen Raum aufgestellt.

Mit freundlicher Genehmigung der Fa. Werbefiguren Hoffmann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erst 1909 wurde der Stadtteil Grünwinkel, der damals 121 Hektar und exakt 2.022 Einwohner zählte, in die Fächerstadt Karlsruhe eingemeindet. Grünwinkel ist berechtigt, wie auch alle anderen Gemeinden, Städte, Landkreise und Verwaltungsämter, ein Wappen zu führen.

Grünwinkler Wappen

Das Wort „Wappen“ kommt übrigens aus dem Niederländischen und ist stammverwandt mit dem deutschen Wort „Waffe“. Damit lässt sich der Ursprung des Wappens in der Bewaffnung des mittelalterlichen Rittertums ableiten. Auf dem Schild oder dem Banner angebracht, dienten die Wappen als weithin sichtbares Erkennungszeichen der Ritter.

Möglicherweise soll der Spaten, der auf dem Grünwinkler Wappen zu sehen ist, an die frühere landwirtschaftliche Tradition des Ortes Grünwinkel erinnern.

 

(1) Karlsruhe-Grünwinkel liegt im Südwesten der Fächerstadt und ist von Oberreut, Daxlanden, Beiertheim-Bulach, der Südweststadt und Mühlburg sowie der Weststadt umgeben. Außerdem grenzt Rheinstetten samt der Messe Karlsruhe im Norden an den Stadtteil.

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