Thriller: Todesfrist von Andreas Gruber

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Thriller: Todesfrist von Andreas Gruber

Wie ein grausames Kinderbuch einen Serienmörder inspiriert.

Der Thriller ist nichts für Weicheier, das sei vorab gesagt.

Inhaltsangabe
Ein Serienmörder treibt sein Unwesen in verschiedenen Städten und lässt sich offensichtlich von dem Kinderbuch Struwwelpeter inspirieren. Die grausamen Geschichten von den schwarzen Buben, vom bösen Friedrich, vom Daumenlutscher usw. werden für die Morde als Grundlage herangezogen, verbunden mit immer dem gleichen Rätsel, das er einer mehr oder weniger beteiligten Person telefonisch aufgibt: „Wenn Sie innerhalb von 48 Stunden herausfinden, warum ich diese Frau entführt habe, bleibt sie am Leben. Falls nicht – stirbt sie.“ So das bitterböse Spiel des Serienmörders. Eine Münchner Kommissarin und ein Profiler vom BKA gehen als ungewöhnliches Duo dem Ganzen auf die Spur. Mehr wird zum Inhalt nicht verraten.

Zum Buch
Ein Buch muss mich als Leserin von der ersten Zeile an packen. Und das ist bei „Todesfrist“ der Fall. Von Anfang an zieht einen die Geschichte in den Bann, allerdings ist die Beschreibung der Tatorte nichts für Warmduscher. Die Morde sind brutal, grausam, heftig, und man mag sich das gar nicht in der Realität vorstellen. Die Hintergründe und Zusammenhänge, der Aufbau des Plots, die Beschreibung der Ermittlung durch die etwas eigenwillige Kommissarin Nemez und den skurrilen Profiler Marteen S. Sneijder sind spannend. Wie so oft bei Krimis, auch im Fernsehen, lebt das Ganze durch allzu menschliche Charaktereigenschaften, die aufeinandertreffen.

Die Erzählung erfolgt aus unterschiedlichen Perspektiven und wechselt öfter die Zeitebene, und die scheinbar losen Enden finden zu einem plausiblen Schluss zusammen, einschließlich des allerletzten Rätsels, das in Form eines Gedichts, das viele kennen, aufgegeben wird. Auch wenn der Name des Mörders nach etwa der Hälfte des Buches einleuchtet, sorgt die rasante Jagd nach der Person, die diesen Namen trägt, bis zum Schluss für einen guten Spannungsbogen. Außerdem wird schnell klar, dass noch weitere Frauen entführt und möglicherweise ermordet werden.

Dass die geschilderte Polizeiarbeit nicht ganz realistisch ist oder zumindest nicht dem entspricht, was man sich darunter vorstellt, stört nicht – schließlich geschieht dies in jeder Folge der TV-Reihen „Tatort“, „Sarah Kohr“, „Taunuskrimi“ und wie sie alle heißen, nicht anders.

Mit der Verbindung zu den Struwwelpeter-Geschichten hat sich der Autor Andreas Gruber eine besonders originelle und, auch wenn es morbid klingt, gelungene Story ausgedacht – darauf muss man erst einmal kommen. Chapeau!

Der Schreibstil ist gut, dynamisch, flüssig, die Beschreibungen sind anschaulich und gut getroffen. Hier und da gibt es Abschnitte, in denen Fakten meiner Meinung nach unnötig wiederholt oder bereits bekannte Gedankengänge einer Figur überflüssigerweise langatmig beschrieben werden, aber die Passagen kann der vor Spannung platzende Leser ja getrost überspringen. Die unerwarteten Wendungen in der Story, der teils humorvolle Schlagabtausch zwischen der Kommissarin und dem Profiler, der immer wieder stattfindende Perspektivwechsel machen das Ganze so spannend, dass man das Buch gar nicht weglegen mag.

„Todesfrist“ ist der Auftakt einer mehrbändigen Reihe von Andreas Gruber. Es folgen:
Band 2: Todesurteil
Band 3: Todesmärchen
Band 4: Todesreigen
Band 5: Todesmal
Band 6: Todesschmerz
Band 7: Todesrache

erhältlich als Taschenbuch, eBook und Hörbuch

Letzte Anmerkung: Ich wusste zwar von dem Buch Struwwelpeter, habe es jedoch nie gelesen oder – zum Glück – nie als Kind vorgelesen bekommen. Nachdem ich mich jetzt damit befasst habe, finde ich, dass es als Kinderbuch völlig ungeeignet, da viel zu grausam ist.

Hinweis: Im Sinne einer besseren Lesbarkeit deckt in dieser Veröffentlichung das generische Maskulinum (z. B. der Leser) sowohl die weibliche und männliche Form als auch das dritte Geschlecht ab. Dies ist in keinem Fall als Zeichen einer Diskriminierung zu werten.