Falscher Freund (3): Omelett(e)

Omelette in Frankreich und Omelett in Deutschland – nicht das gleiche.

Vor vielen Jahren schlug ich nach einem Ausflug mit meinen deutschen Schwiegereltern vor, als schnelles Abendessen ein omelette zuzubereiten. „Mhh, nein, auf eine Süßspeise habe ich jetzt eher keine Lust“, meinte Schwiegerpapa. Da trafen französische und deutsche Vorstellungen aufeinander. Ja: Wer in Frankreich ein omelette zum Dessert bestellt, wird nicht nur enttäuscht sein, sondern auch Fragezeichen ernten.

In Frankreich ist une omelette (ja, weiblich) eine ganz einfache Speise, die aus verklepperten Eiern, etwas Milch oder flüssiger Schlagsahne, Salz und Pfeffer zubereitet wird – also herzhaft, nicht süß. Sie kennen das Wort verkleppern nicht? Damit ist hier das Mischen von Eiern und etwas Milch (oder Sahne) in einer Schüssel zu einer homogenen Masse gemeint. Beim Verkleppern schlägt man mit einer Gabel Luft in die flüssige Masse, sodass diese … luftig wird – eines der Ziele dieses Vorgangs. Ein weiteres Ziel besteht darin, dass Eiweiß und Eidotter gut vermischt werden. Man könnte das französische omelette entfernt mit Rühreiern vergleichen, Letztere sind jedoch nicht mit der gleichen Intensität verkleppert worden. Beim Rührei wird das Ei nur leicht mit der Gabel verrührt, meist erst in der Pfanne. Zum französischen omelette  isst man Salat, zum Beispiel Kopf-, Feld- oder auch Löwenzahnsalat.

Man kennt in Frankreich natürlich etliche Variationen dieses Basisrezepts: mit kleingeschnittenem Schnittlauch (omelette auf fines herbes), Schinken (omelette au jambon), geriebenem Käse (omelette au fromage), rohem oder vorher blanchiertem Speck (omelette au lard), dünn geschnittenen Pilzen (omelette aux champignons), dünn geschnittenen und vorher frittierten (ähnlich wie Chips) Kartoffeln (omelette aux pommes de terre) usw.

Für das französische omelette rechnet man in der Regel zwei Eier pro Person. Das Verhältnis Eiermasse zu Milch oder Sahne beträgt etwa 90:10. Sie nehmen eine gute Pfanne, lassen etwas Butter fast braun werden und gießen dann in einem Rutsch die ganze vorher vermischte und gewürzte Eiermasse in die Pfanne, einschließlich der weiteren Zutaten wie Käse, Speck oder Schinken (s. oben). Drehen Sie die Hitze auf Mittelstufe und achten Sie darauf, dass die Eiermasse nicht am Pfannenboden anbackt. Der Franzose mag sein omelettebaveuse„. Baver bedeutet sabbern – das, was Babys gut können. Bei dem omelette bedeutet das, dass man die Eiermasse nicht komplett stocken lässt, sondern darauf achtet, dass an der Oberfläche eine dünne Eimasse flüssig bleibt.

Beim deutschen Omelett dagegen wird etwas Weizen- oder Maismehl in die Eiermasse eingearbeitet. Es handelt sich daher eher um eine Art Pfannkuchenteig, der zentimeterdick in die Pfanne gegeben wird. Man lässt die Eiermasse in der Pfanne ordentlich stocken. Und ja, natürlich gibt es das deutsche Omelett auch herzhaft, zum Beispiel als Beilage zu Spargel in Baden-Württemberg.

Bon appétit!

2 Gedanken zu „Falscher Freund (3): Omelett(e)

  • um
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    Huch, ich käme nie auf die Idee, in die Masse für mein Omelette Mehl einzurühren!
    Und ich bin aber so was von nicht französisch …

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    • um
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      Tja, aber die meisten Grundrezepte für „Om(e)lett“ in Deutschland (übrigens auch in Österreich und in der Schweiz), insbesondere im Süden, nennen ein paar Esslöffel Mehl – ob in einschlägigen Kochbüchern oder auf Plattformen wie Chefkoch & Co. Meine Schwiegermutter konnte sich nicht vorstellen, diese Speise ohne Mehl zuzubereiten: „Da fehlt doch die Bindung, das kann doch nicht stocken“, sagte sie. Doch, es geht. Gilt ja auch für Quiche Lorraine zum Beispiel.

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