Erziehungsgeschichten

Hallo Freunde,

also, ich frage mich, wer das mit der Erziehung erfunden hat. Ist doch alles gut gewesen: Ich bin der Chef der WG, die zwei anderen Mitbewohner möchten sich bitte nach mir richten. So einfach könnte die Welt sein. Aber nein. Die haben sich in den Kopf gesetzt, mich zu erziehen. Mir zu sagen, wann ich was wie machen soll und was ich vor allem nicht tun darf. Könnt ihr euch das vorstellen? Nee, bestimmt nicht. Also, ich erzähl’s euch.

Von dem Laufen an der Leine hatte ich euch ja schon berichtet. Gut, das sehe ich zumindest für den Anfang ein. Jetzt soll ich aber auch noch immer nur auf einer Seite laufen, dabei würde ich doch gerne andauernd die Seiten wechseln, mal rechts, mal links laufen, und am liebsten von einer Sekunde auf die andere und zwanzig Mal in der Minute hin- und herspringen. Wenn mein Mensch dabei fast über mich stolpert, sein Problem. Soll er doch gucken, wo ich laufe.

Ach, und meine liebste Angewohnheit muss ich auch noch ablegen: alles anknabbern und fressen, was mir über den Weg läuft. Blätter und Blüten im Garten (die frisch gesetzten Tomatenpflanzen hatte ich auch auf dem Kieker), tote Würmer und Insekten, Papierfetzen auf dem Gehweg, Hinterlassenschaften anderer Vierbeiner oder Vogelsch*** … Das ist doch alles superinteressant, findet ihr nicht? Und Neugier bildet doch – oder? Jetzt darf ich das nicht mehr. Na ja, ich durfte es von Anfang an nicht, aber jetzt wird strengstens dagegen vorgegangen. OK, ich hab vor ein paar Tagen was ganz Blödes gemacht, könnt mir selbst ins Schwänzchen beißen. Wir waren in einer Wohnung, die schon länger unbewohnt ist, und da lagen ein paar tote Wespen und Bienen herum. Frauchen konnte gar nicht so schnell einschreiten, da hatte ich schon zwei Stück verspeist – die haben ganz lecker geschmeckt. Die anderen toten Insekten hat Frauchen dann entsorgt, Herrchen meinte „ach, lass ihn doch“. Meine ich ja auch.

Aber etwa eine Stunde später bekam ich Bauchweh, musste kotzen (sorry) und hatte Dünnpfiff (nochmal sorry), aber richtig dünn. Und dann wurde mir ganz komisch, ich hatte gar keine Kraft mehr. Frauchen und Herrchen mussten dann am späten Abend mit mir zu dem Typ im grünen Kittel, von dem ich schon erzählt habe, der mit den Nadeln. Bei dem im Zimmer riecht es immer so komisch. Der hatte nämlich zufällig Notdienst an dem Abend. OK, ich hab alles überstanden, hab die ganze Nacht wie ein Stein geschlafen, und am nächsten Tag ging es auch wieder, da konnte ich auch schon wieder spielen. Das einzig Gute an dem Ganzen: Ich hätte eigentlich am Tag danach geimpft werden sollen, das musste verschoben werden. Wenigstens das. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Auf jeden Fall passt Frauchen jetzt auf wie ein Luchs, dass ich nichts mehr, aber auch gar nichts mehr vom Boden aufnehme. Die hat sich sogar einen Tipp von diesem komischen Hundeflüsterer geholt, um mir das abzugewöhnen: eine Sprühflasche mit Wasser. Bei jedem Versuch, ein saftig grünes Blatt ins Maul zu nehmen, zack – krieg ich ‘ne Ladung Sprühwasser ab. Ich hab Frauchen vielleicht mit einem beleidigten Blick gemustert, aber das macht ihr gar nichts aus. Unfassbar. So ging das gestern und heute ein paar Mal, jetzt ist mir die Lust vergangen am Anknabbern von Blättern, Blüten und Büschen. Dann eben nicht. Ich werde mir was anderes überlegen, hehe. Allerdings sieht Frauchen alles, und sie hört das Gras wachsen. Kaum schleiche ich mich aus einem Zimmer, saust sie schon hinterher. Ich guck dann immer ganz unschuldig, aber irgendwie weiß sie immer, was ich gerade vorhatte. Echt blöd. Jetzt frag ich euch mal ernsthaft: Guckt euch das Bild hier an. Soll ein kleiner Kerl wie ich, der so brav schläft, gerügt werden?

Also, lasst euch ja nicht von irgendjemandem vorschreiben, was ihr tun müsst und dürft. Das ist nicht lustig. 😉

Liebe Grüße

Euer Freddy

4 Gedanken zu „Erziehungsgeschichten

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    Ich freue mich schon auf die nächste Geschichte.Liebe Grüße aus Neu Isenburg

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      Wie schön, dass dir Freddys Erlebnisse gefallen, liebe Inge.

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    Ganz einfach toll beschrieben. Lache mich schlapp, weil Luna genau so ist haha

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      Freddy sagt: “Ach, arme Luna! Sagt dir dein Frauchen auch, was du tun sollst und nicht tun darfst? Ich glaube, wir müssen eine Selbsthilfegruppe oder sowas gründen.” 😉 ♥

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