Die Leere am Ende des Buches

Mit dem letzten Satz stellt sich eine seltsame Leere ein …

Vierhundert oder mehr Seiten lang fiebern wir mit den Helden des Romans, leben quasi in einer anderen Welt, machen uns Gedanken, wie es weitergeht, wenn wir das Buch wohl oder übel einmal beiseite legen müssen, weil Pflichten rufen oder wir einfach schlafen müssen.

Romane, die mir vor dem Einschlafen als Lektüre dienen, lese ich meist auf meinem Tolino. Das hat unter anderem den Nachteil, dass ich anders als bei Printexemplaren in der Fußzeile sehe, auf welcher Seite ich bezogen auf die Gesamtseitenzahl gerade bin. Und je spannender oder fesselnder das Buch ist, desto mehr kommt mir das schrumpfende Restseitenkonto wie ein Verlust vor. Gefangen im Zwiespalt zwischen Weiterlesen – schließlich will ich doch wissen, wie es weitergeht – und dem Aufrechterhalten des Zaubers spüre ich, wie sich ganz leise ein unmerkliches Gefühl der Unruhe, ja, fast der Verzagtheit einschleicht.

Abhängig vom Genre

Diese Anspannung kurz vor dem Buchende und die sich einstellende Leere beim Erreichen des letzten Satzes sind nicht immer gleich. Bei einem spannenden Krimi bin ich froh, dass der Plot aufgeht und der Mörder entlarvt wird – vielleicht auch, dass ich mit meiner Vermutung bezüglich des möglichen Mörders richtig lag. Bei einem Thriller freue ich mich über die (hoffentlich eintretende) Auflösung der lebensbedrohlichen Situation, die im Fokus des ganzen Buches stand. Nach einem guten Krimi oder Thriller greife ich meist ohne Lesepause gleich zur nächsten hoffentlich guten Mord(s)geschichte.

Bei guten historischen Romanen oder sog. Gesellschaftsromanen, in denen sich die Geschichte im Rahmen phantasievoll ausgeschmückter historischer Fakten bewegt, ist die Leere nach dem Lesen des letzten Satzes um so größer und schmerzlicher, als das Buch umfangreich ist. Erst kürzlich las ich eine mehrbändige Familiensaga, die mich ob der realen historischen Geschehnisse, die als Hintergrund dienten, so faszinierte, dass ich am Ende des siebten Bands erst einmal eine eintägige Lesepause einlegen musste.

Manchmal wird einem empfohlen, zum Ausblenden dieser Leere ein Buch aus einem völlig anderen Genre zu lesen – am besten gelänge dies mit einem Sci-Fi-Roman, riet man mir. Für Science Fiction kann ich mich allerdings nicht erwärmen, auch nicht für Fantasy-Romane. So konnte ich mich nie für “Der Herr der Ringe” oder die Harry-Potter-Romane begeistern. Ich neige eher dazu, unmittelbar nach dem letzten Satz (oder am darauffolgenden Morgen) nach Titeln desselben Autors zu suchen und diese gleich zu bestellen. Und da E-Books zum sofortigen Download bereitstehen …

Wie ist es bei Ihnen? Entsteht bei Ihnen nach einem guten Buch auch eine Leere? Wie gehen Sie dann vor?

6 Gedanken zu „Die Leere am Ende des Buches

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    Ja, das kenne ich auch: Nagender Hunger, vor allem nach einer Buch-Serie…
    Mittlerweile erkundige ich mich vorher, ob es eine Serie ist – und vor allem, ob es alle Bände schon gibt – nicht, dass es mir wieder so geht wie mit George R. R. Martins Zyklus…

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      “Nagender Hunger” – das trifft es genau. Ich hatte einmal einen Roman in 3 Bänden gelesen und war am Ende des 3. Bands total traurig. Wochen später entdeckte ich, dass es noch Band 4 und 5 gibt. Hurra!

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    Mir geht es oft so, dass ich am Ende vor allem fertig werden will – schließlich gibt es noch genügend andere aufregende Bücher zu lesen. ^^

    Kann man die Anzeige am Bildschirmrand beim Tolino nicht ändern? Ich hantiere immer nur mit dem Kindle, da kann man verschiedene Optionen für die Anzeige wählen (allerdings wüsste ich auch dort nicht auswendig, wie das geht).

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      Ah, das ist mir bisher noch nicht passiert, dass ich fertig werden wollte, wenn ich ein Buch gerne las. Bei Büchern, die ich für die Schule oder das Studium lesen **musste**, ist das aber vorgekommen. Damals gab es noch kein Internet, heute kann man ja Zusammenfassungen und Rezensionen im Internet finden.
      Das weiß ich gar nicht, ob man beim Tolino die Anzeige ändern kann, aber ich werde mal schauen, danke für den Tipp. 🙂

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    Liebe Giselle,
    herzlichen Dank für diesen Artikel.
    Genauso geht es mir so oft! – Häufig mit historischen Romanen.
    LG aus Kiel
    Marianne

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      Liebe Marianne,
      ja, mit historischen Romanen passiert es mir auch: Man steckt tief in der Geschichte (im wahrsten Sinne des Wortes), und plötzlich ist es vorbei …
      Liebe Grüße
      Giselle

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