Über 50 Jahre altes Konzept zur Entspannung kommt (wieder) zur Anwendung
Snoezelen (ausgesprochen: snuzelen) ist ein aus den Niederlanden stammendes Konzept zur Entspannung und Sinneswahrnehmung, das Ende der 1970er Jahre von Jan Hulsegge und Ad Verheul entwickelt wurde. Das Kofferwort snoezelen setzt sich zusammen aus den niederländischen Verben „snuffelen“ (etwa: schnuppern, entdecken) und „doezelen“ (dösen, entspannen).

Für wen?
Die ursprüngliche Zielgruppe umfasste Menschen mit schweren geistigen Behinderungen. Heute wird das Konzept in vielen unterschiedlichen Bereichen angewendet wie zum Beispiel in Kindergärten und an Schulen sowie in Reha- und Senioreneinrichtungen einschließlich Pflegeheimen, Demenz-/Alzheimerbereichen, Kliniken und Hospizen.
Wozu? Was ist zu beachten?
Das Snoezelen dient der Förderung der sensitiven Wahrnehmung bei gleichzeitiger Entspannung. Es werden Reize angesteuert, Wahrnehmungen und Aufmerksamkeit gelenkt, Sinne (wieder) angeregt, Erinnerungen hervorgerufen. Es ist ein multifunktionales Konzept: In einem besonders ansprechend gestalteten Raum werden über:
- das Fühlen und Spüren, die Haptik (verschiedene Materialien, Stoffe, Wasser, Sand, Steine, Matten, Sitzsäcke, Wolle …),
- das Sehen (Lichteffekte, Lichterketten, Bilder, Wassersäulen, Farben …),
- das Hören von Klang- und Tonelementen (z. B. aus der Natur wie Wald, Vögel, Wasserrauschen, vertraute Klänge wie Fahrradklingel, Musikinstrumente …),
- das Riechen von Aromen und Düften
Sinnesempfindungen ausgelöst. Diese wirken auf die verschiedenen Wahrnehmungsbereiche entspannend, aber auch aktivierend, sollen dennoch ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.
Geschmackssinn
Das Ansprechen des fünften Sinnes, den der Mensch hat, nämlich des Geschmacks, ist im Snoezelen-Konzept je nach Zielgruppe umstritten, da es sich um eine „invasive“ Ansprache handelt: Der Mensch müsste etwas in den Mund nehmen, um die Grundaromen wie süß, sauer, salzig, bitter wahrzunehmen.
Allerdings sind Geruchs- und Geschmackssinn eng miteinander verbunden, sodass ein wahrgenommener Duft oder Geruch durchaus eine Art Geschmackswahrnehmung zur Folge haben und eine Erinnerung hervorrufen kann. Denn die Nase ist für rund 80 % unseres Geschmacksempfindens verantwortlich. So können der Duft zum Beispiel von frisch aufgebrühtem Kaffee, frischem Brot, Vanille, Zimt, Rosen oder ein bestimmtes Parfum Erlebnisse wachrufen.
Nachhaltiger Nutzen des Konzepts
Eine auf die jeweilige Zielgruppe orientierte Ausrichtung sowohl der Raumgestaltung als auch der eingesetzten Mittel und Methoden ist eine grundlegende Voraussetzung für nachhaltigen Nutzen und Erfolg.
Wird das Snoezelen als therapeutische Methode eingesetzt, sollten die Betreuer (Erzieher, Altenpfleger, Pflegekräfte usw.) stets eine professionelle Einweisung in das Konzept erhalten. Gerade mit sogenannten abhängigen Nutzern wie Senioren, Demenz- und Alzheimer-Patienten muss gewährleistet sein, dass keine Überreizung entsteht und eventuelle Kontraindikationen (zum Beispiel Epilepsie, Atemwegserkrankungen) beachtet werden.

Snoezelen ist
- NICHT einfach ein paar Gegenstände, Stoffe usw. mit einer Lichterkette und einer Duftkerze auf einem Tisch zu präsentieren;
- KEIN bloßes Berieseln mit Wahrnehmungsaktoren, sondern ein aktives, von geschulten Betreuern unterstütztes Angebot;
- KEIN Allzweckverfahren, sondern ein Konzept, das auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten werden muss;
- KEINE „Zwangstherapie“, denn es eignet sich nicht für jeden Menschen;
- KEIN Konzept mit Leistungsdruck und/oder mit vorbestimmten Zielen;
- KEINE Einbahnstraße, sondern auch ein Mittel zur Förderung der Kommunikation. So kann sich beispielsweise eine Gruppe bei der Wahrnehmung von Kaffeeduft, Musik oder haptisch erfassten Dingen über Erinnerungen und Gefühlen austauschen.
Richtig – nach professioneller Einweisung – angewendet kann Snoezelen ein sinnvolles Element in der Betreuung unterschiedlicher Zielgruppen sein.
Auch für viele Demenz-/Alzheimerpatienten eignet sich das Konzept. Hier sollte jedoch darauf geachtet werden, dass einerseits keine Überreizung der Menschen entsteht und andererseits das Konzept nicht als Freizeitgestaltung verwässert wird. Die von mir gefertigten und verschenkten Nestelsachen tragen auch ein Stückweit dazu bei, Sinneswahrnehmungen zu stärken und können daher im Gesamtkonzept Snoezelen eine sinnvolle Rolle spielen.