Siebenteilige Krimireihe der norwegischen Autorin Trude Teige.
Trude Teige, Jahrgang 1960, ist eine der bekanntesten Journalistinnen und TV-Moderatorinnen Norwegens. Sie schreibt einerseits Krimis, andererseits historisch gut recherchierte Romane, in denen oft vergessene Kapitel der skandinavischen Geschichte aufgearbeitet werden.
In diesem Blogartikel geht es ausschließlich um Teiges siebenteilige Krimireihe um die investigative Journalistin Kajsa Coren, in der die Autorin Ereignisse aus der Geschichte Norwegens im Zweiten Weltkrieg mit aktuellen Geschehnissen verknüpft.
Die Hauptfigur Kajsa Coren lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Asker, dem Geburtsort der Autorin, und arbeitet zu Beginn der 7er-Serie bei einem TV-Nachrichtenkanal. Im Verlauf der Serie lässt sie sich bei ihrem Arbeitgeber beurlauben, zieht dann nach Losvika an der Küste von Møre. Das lässt ihr mehr Zeit und Freiheiten für ihre Lieblingsbeschäftigung, dem Ermitteln und Recherchieren in diversen Fällen, in denen sie eine feine Spürnase entwickelt, durch die sie aber auch private Probleme bekommt. Denn zu Beginn der Serie ist sie noch mit einem Psychiater verheiratet, der die Kriminalpolizei in Sachen Profiling berät, ab Band 2 mit dem Kriminalkommissar Karsten. In ihr schlagen stets zwei Herzen: das der Journalistin, die auch als Freiberuflerin die Erste sein will, die eine brisante Information veröffentlicht, und das der Ehefrau, die die Ermittlungen der Polizei nicht konterkarieren will und darf. Aber der Kommissar und die Journalistin haben schnell gelernt, mit dem Interessenkonflikt, die ihre beruflichen Tätigkeiten mit sich bringen, umzugehen, und ermitteln unabhängig voneinander.
Kajsa Coren fallen immer wieder Fälle quasi in den Schoß: Mal stolpert sie sozusagen über einen Doppelmord beim Joggen, mal stellt sie Unregelmäßigkeiten und seltsame Ereignisse beim Besuchen ihrer Mutter im Pflegeheim fest, mal stößt sie in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft auf eine unglaubliche Vertuschungsgeschichte aus der Zeit der deutschen Besatzung, um nur drei Beispiele zu nennen. Coren wittert stets das Seltsame, das Unregelmäßige, das Außergewöhnliche. Sie lässt nie locker, sucht unermüdlich wie ein Terrier und kommt am Ende, natürlich in Zusammenarbeit mit der Polizei, zum Ergebnis. Ein Schema, das sich siebenmal wiederholt.
Die Handlungen verlaufen in allen sieben Bänden in mehreren Strängen, die jedoch gut auseinander zu halten sind. Die Plots sind von einem Band zum anderen sehr unterschiedlich, nicht uninteressant, aber die Dramaturgie schien mir manchmal sehr in die Länge gezogen – und das bei Krimis, die meist nur um die 310 Seiten umfassen. Als packend und fesselnd kann ich die sieben Krimis – ganz im Gegensatz zu einigen Rezensionen im Netz – nicht bezeichnen, ein richtiger Spannungsbogen kommt für mich in keinem der Bände zustande – also kein Vergleich zum einzigartig guten Krimiautor Andreas Gruber. Als jahrzehntelange Krimileserin sind mir bei Trude Teige die Auflösungen der Fälle zu einfach, zu offensichtlich und zu platt.
Interessant sind allerdings die Verknüpfungen einzelner Geschehnisse mit der Geschichte Norwegens im Zweiten Weltkrieg. Diese – in den Krimis um Kajsa Coren nebensächliche – inhaltliche und historische Aufarbeitung wird in vielen Rezensionen zu Recht durchgehend gelobt. Auch mir, die ich bisher kaum Berührungspunkte mit Norwegen und seiner Geschichte zu tun hatte, war Vieles unbekannt.
Ebenfalls positiv ist die Tatsache, dass die Autorin bewusst eigene Erlebnisse oder Aspekte aus ihrem Leben einfließen lässt, sodass die entsprechenden Passagen authentisch wirken und sich flüssig lesen.
Zumindest in dieser Krimireihe empfinde ich Trude Teiges Schreibstilals anspruchslos und wenig einfallsreich, wobei die eine oder andere Beschreibung beispielsweise eines verheerenden Sturms, des Hafens oder eines alten Sanatoriums ganz gut gelungen ist. Dass Teige auch elaborierter schreiben kann, zeigt sie in ihren historischen Romanen, die ich zurzeit lese.
Die deutsche Übersetzung von Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann kann ich kaum beurteilen, da ich des Norwegischen nicht mächtig bin. Hier und da kam mir eine Formulierung allerdings etwas seltsam gekünstelt vor, unter anderem auch wenn eine mehrfache Redundanz an Füllwörtern festzustellen ist. Da muss man (Übersetzer, Lektor) den betroffenen Satz einfach laut sagen, um schnell zu merken: So spricht im Deutschen kein Mensch.
Reihenfolge:
- Der Junge, der Rache schwor
- Das Haus, in dem das Böse wohnt
- Totensommer
- Das Mädchen, das schwieg
- Die Frau, die verschwand
- Der Mann, der nicht vergessen konnte
- Das Haus der Lügen