Ein Jahr im Paradies auf Erden

Hallo Ihr Lieben,

schon wieder ist so viel Zeit vergangen … Wisst Ihr was? Ich bin jetzt genau ein Jahr bei Frauchen und Herrchen. Und ich sag Euch: Das ist wie im Paradies. Also, ein Paradies auf Erden, in dem ich der Chef bin (na ja, ich versuch’s durchzudrücken).

Erst einmal hoffe ich, dass es Euch allen gut geht. ♥
Mir geht es prima. Ich versuche immer das zu machen, wozu ich gerade Lust habe. Das gefällt meinem Frauchen aber nicht immer. Ich hatte ja schon im letzten Sommer berichtet, dass sie sich in den Kopf gesetzt hat, mich zu erziehen. Hahaha, als ob man einen Parson Terrier erziehen könnte!!! Mein Vorgänger, also Ihr wisst, der Tippgeber für meine WG, war wohl ein besonders pflegeleichtes Exemplar. Aber er hat mir aufgetragen, meinen beiden Mitbewohnern, also Herrchen und Frauchen, zu zeigen, wie ein echter Terrier so ist. Und das lass ich mir nicht nehmen, hehe.

Frauchen will mir unbedingt beibringen, dass ich komm, wenn sie ruft, also sofort, unverzüglich, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. Das geht doch nicht, oder? Ich hab oft Wichtigeres zu tun, ich muss zum Beispiel einer tollen Spur nachgehen, einem Eichhörnchen im Garten hinterherrennen (das ist übrigens ungerecht: Die können nämlich auf Bäume klettern und ich nicht), eine Krähe vom Rasen verjagen (die picken nämlich den ganzen Rasen auf) … Oder ich hab einfach keine Lust.

Manchmal droht mir Frauchen, dass sie Schnitzel oder Wurst aus mir macht, wenn ich dies oder jenes nicht mach. Aber ich glaub Ihr nicht, das ist nur leeres Gerede. Oder, was meint Ihr? Auf jeden Fall wisst Ihr jetzt Bescheid. Falls sie mal erzählt, dass sie Schnitzel gegessen hat und ich verschwunden bin, müsst Ihr die Tatort-Kommissare anrufen.

Ach, ich hab eine Testphase hinter mir. Ja, ich hatte nämlich Verdauungsprobleme, da meinte der Tierarzt (Ihr wisst, der Typ im grünen Kittel), ich sollte ein Ausschlussfuttermittel bekommen – nichts anderes, keine Leckerli mehr. Ich kann Euch sagen: Erst haben mir die komischen Knödel geschmeckt, das war ja neu. Aber wochenlang nur noch die Dinger! Jetzt bekomme ich Nassfutter mit Pferdefleisch – nicht schlecht. Es hat sich herausgestellt, dass ich Rindfleisch und auch Hühnerfleisch nicht gut vertrage. Na ja, ist halt so.

Beim Training (Frauchen meint ja immer, sie müsste mit mir wie in der Schule üben) war das erst doof, denn ohne Leckerli mach ich nix, aber auch gar nix. Bin ja schließlich Terrier. Dann kam Frauchen auf die Idee, Leckerli mit dem Nassfutter zu machen. OK, die Dinger schmecken, also können wir auch wieder trainieren. Im Training mach ich alles, was Frauchen will. Aber sobald das Training vorbei ist und sie meint, man könnte es mal ohne Belohnung probieren – nee, ohne mich. Das können Labradore und Dackel machen, aber I-C-H nicht. Basta. Das macht Frauchen natürlich wütend. Oder traurig. Oder beides. Und dann denkt sie wieder an die Freddy-Schnitzel … Schwierig, sag ich Euch, sehr schwierig. Ich bin echt im Zwiespalt. Soll ich meine Identität aufgeben? Ich denk darüber nach. Schließlich hab ich noch die Ausrede der Pubertät.

Anfang Februar war draußen plötzlich alles mit so ‘nem weißen Zeug bedeckt. Schnee, sagte Frauchen. Das war klasse! Ich konnte mich gar nicht einkriegen. Es hat alles anders gerochen als ohne das weiße Zeug. Mir macht ja die Kälte nix aus, wir waren mittags noch länger als sonst unterwegs, eine echte Gaudi!

 

Frauchen bekommt oft Pakete, da muss ich auspacken helfen. Erst guckt Frauchen, was drin ist, und wenn der Karton leer ist, kontrollier ich nochmal, ob er wirklich leer ist. Und wisst Ihr was? Da finde ich immer noch Leckerli drin.

 

Ihr wisst ja, dass ich viel arbeiten muss, bis ich mein Futter krieg. Erst kürzlich hat Frauchen irgendwelche Büsche zurückgeschnitten und alles in einen Sack gesteckt. Unsortiert! Ich hab meine Mühe gehabt, alles aus dem Sack zu holen und zu sortieren! Das war echt anstrengend. Auf dem Rasen lagen dann die sortierten Zweige herum, damit Frauchen sie ordentlich einsammeln konnte. Dass sie nicht zufrieden war, kann ich gar nicht nachvollziehen.

Und wenn ich dann so intensiv gearbeitet habe, dann muss ich ruhen und mich entspannen.

Ach, das Autofahren, das ist die Hölle. Ich spring ja gern ins Auto, wenn’s noch im Hof steht. Wenn es losfährt, na ja, das gefällt mir nicht so sehr, da wird mir ganz komisch. Frauchen hat schon alles versucht: Üben, Rescue-Tropfen, Hundetherapeutin … bisher hat nix geholfen. Selbst eine kurze Fahrt, also zum Beispiel 5 oder 6 km lang, ist für mich Stress. Echt blöd, aber ich mach’s ja nicht absichtlich. Aber gestern hat sie was Neues ausprobiert, so ein Spray für meine Decke. Dann ging’s etwas besser. Mal sehen, wie sich das entwickelt.

Hab ich Euch eigentlich schon erzählt, wie der Tag am 28. April 2020, als Frauchen und Herrchen mich zu sich geholt haben, abgelaufen ist? Also, sie kamen in das Haus, wo ich geboren bin und hatten ein Spielzeug dabei. Das hat mir aber meine Mama Lissy gleich weggenommen. Überhaupt war die an dem Tag so garstig zu mir. Als wollte sie es mir leicht machen. Oder sich. Frauchen hat mir gleich ein Welpengeschirr angezogen, ungewohnt, aber was soll’s. Wir sind ein wenig bis zum Auto gelaufen, aber ich war viel zu aufgeregt, um Pipi oder … Ihr wisst schon … zu machen, also sind wir eingestiegen, und nach wenigen Minuten waren wir in meinem neuen Zuhause. Aber dann, oh je, wie peinlich. Ich bin ins Haus marschiert, schnurstracks nach rechts, wo Frauchens Büro ist (das hab ich wohl geahnt) und – zack – hab gleich mein Häufchen auf ihren Lieblingsteppich gemacht. Einweihung sozusagen. Peinlich. Aber sie hat die Contenance bewahrt und nicht geschimpft. Ich hab danach so etwas nie wieder getan. Und als ich dann den Garten erkundet hatte, war ich total müde und musste mit meinem Spielzeug schlafen.

Tja, und jetzt ist schon ein Jahr vergangen, und ich sorge dafür, dass Frauchen pünktlich um halb sieben jeden Morgen, selbstverständlich auch samstags und sonntags, aufsteht. So hat sie einfach mehr vom Tag. Ich glaube, sie ist mir echt dankbar dafür.

Also, Leute, ich schicke wie immer feuchtfröhliche Nasenstupser. Bleibt gesund und munter.

Euer Freddy

2 Gedanken zu „Ein Jahr im Paradies auf Erden

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    Hallo Freddy es ist schön mal wieder eine Geschichte von dir zu lesen.Ich verfolge deinen Werdegang mit großer Freude, du bist wirklich ein kleines Goldstück und ich denke dein Frauchen weiß das auch. Schreib bald mal wieder. Liebe Grüße aus Neu-Isenburg

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    Liebe Giselle, Freddy ist ein ganz lieber und dankbarer Hund, wie man seinem Tagebuch entnehmen kann. In einer für Tiere oftmals gefühlskalten Welt lebt er wirklich im Paradies und für mich ist es immer eine Wonne, von einem Tier zu lesen, dem es gut geht. Um alle Wesen richtig und gut zu behandeln, fängt man am besten bei denen an, die um einen herum sind und schwärmt dann aus. Wenn dieses Vorhaben dann noch von so guten Beispielen begleitet wird, wie sie von Freddy kommen, dann umso besser. Ich freue mich immer über Updates! Weiter so und schön, dass es Euch gibt.

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