Ich und du, Müllers Kuh

Erinnern Sie sich an die Abzählreime Ihrer Kindheit?

Ich und du
Müllers Kuh
Müllers Esel, das bist du.
Das bist du noch lange nicht.
Sag mir erst, wie alt du bist.

(Antwort z. B. vier)

Eins, zwei, drei, vier, fünf.
Vier ist kein Wort,
und du bist fort.

Kinder sagen Abzählreime auf, um in einer Gruppe jemanden herauszudeuten, der etwas Besonderes tun muss. Wird ein Kind bestimmt, das den Spielkreis verlassen muss, spricht man von Auszählreim. Abzählreime ermöglichen Kindern, spielerisch viele Fähigkeiten zu trainieren: natürlich das Zählen, die Aussprache von Wörtern, aber auch Motorik, eine gewisse Hand-Auge-Gehirn-Koordination, Aussprache sowie verschiedene Sozialkompetenzen. Aber vor allem regen Abzähl- und Auszählreime die Fantasie an, nicht zuletzt weil unzählige dieser Kinderreime von Tieren, Bäumen usw. handeln.

In Frankreich kennt man den Oberbegriff comptine (f), der von compter (zählen) kommt. Allerdings umfasst comptine auch und vor allem Kinderlieder (chanson enfantine, f), die zum Beispiel als Einschlaf- oder Wiegenlied (berceuse, f), zum Tanzen (ronde, f) oder einfach zu Spiel- und Lernzwecken gesungen werden. So lernen Kleinkinder beispielsweise „1, 2, 3, allons dans les bois ; 4, 5, 6, cueillir des cerises ; 7, 8, 9, dans mon panier neuf ; 10, 11, 12, elles seront toutes rouges !„, um spielerisch (exercice ludique, m) die Zahlen von 1 bis 12 zu erlernen. Unter den französischen Kinderliedern, die in Deutschland am bekanntesten sind, zählen Frère Jacques und Au clair de la lune. Viele Kinderlieder werden in der Gruppe von bestimmten Hand-, Arm- und Kopfbewegungen (pour accompagner les gestes des mains, des bras et de la tête) begleitet oder beim Ballspielen gesungen (pour accompagner les jeux de balle), um speziell die Koordination zu trainieren.

Nimmt man es genau, heißt Ab-/Auszählreim auf Französisch une formulette d’élimination. Dieser Begriff wird jedoch kaum im Alltag verwendet.

Selbstverständlich gibt es sowohl in Deutschland als auch in Frankreich Abzählreime, die aus Fantasiewörtern bestehen. Der bekannteste in Frankreich ist:

Am, stram, gram,
Pic et pic et colégram,
Bour et bour et ratatam,
Am, stram, gram.

Ähnlich fantasievoll kreierte Abzählreime kennt man in Deutschland, so zum Beispiel dieser aus dem saarländischen Homburg:

Ong dong dee,
Kader lemer see,
Lemer sie, lemer so
Die Kabell in Sandimo.
Sandimo die Tebberie,
Teberie die Kohlebrie,
Ong dong dee.

Kennen Sie noch Abzählreime aus Ihrer Kindheit? Oder welche, die Ihre Kinder aus dem Kindergarten mitgebracht haben?

 

2 Gedanken zu „Ich und du, Müllers Kuh

  • um
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    Oh ja! Allerdings waren die Reime mit den Fantasiebegriffen bei uns eher Klatschspiele als Abzählreim. Ein Dauerbrenner in Grundschultagen klang in etwa so:
    „Embambi kolonie kolona estik bambi kolonie, academie safari, academie puff puff.“ Und ich muss zugeben, dass ich mich schon damals gefragt habe, was das eigentlich bedeutet, wer sich das ausgedacht hat und wie er darauf gekommen ist. 20 Jahre später und ich bin, was dieses Rätsel betrifft, auch nicht schlauer.

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    • um
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      Ha ha, das ist ja ein toller „Dauerbrenner“, den ich noch nie gehört habe. Und schön, dass du ihn 20 Jahre später noch im Kopf hast. Aber das ist wie Fahrradfahren – das vergisst man nicht.

      Antwort

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